MENU
Geburtsfotografie

Der Cesarean Awareness Month, auf Deutsch etwa Kaiserschnitt Bewusstseins Monat, findet jedes Jahr im April statt.
Vor allem im amerikanischen Raum ist er schon bekannt und ich möchte meinen Teil dazu beitragen auch hier mehr Achtsamkeit und Bewusstsein auf dieses Thema zu legen. Hierfür habe ich mich mit vier wunderbaren Frauen getroffen, die mir ihre Geschichte gezeigt und erzählt haben.

Tina, 43 Jahre alt, Frankfurt am Main

Als am 22.9.2015 bei einer Routineuntersuchung festgestellt worden ist, dass ich nur noch sehr wenig Fruchtwasser hatte, bin ich auf Anraten meines Frauenarztes mittags sehr schnell mit meinem Mann ins Krankenhaus gefahren und wurde ab dann regelmäßig überwacht.
Als nach einigen Stunden des Wartens immer noch nichts passierte, habe ich Wehen verstärkende Mittel bekommen – der Muttermund öffnete sich jedoch trotz einsetzender Wehen nicht.. Da sich meine Tochter in meinem Bauch zunehmend gestresster fühlte, ihre Herztöne auf Unruhe hindeuteten und auch ich nach den vielen Stunden abends immer geschwächter war, haben mein Mann und ich uns nach Rücksprache mit den Hebammen und Ärztinnen für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden.

Kaiserschnittnarbe Ceserean Awareness Month Frankfurt am Main

Mein Mann war während des Kaiserschnitts die ganze Zeit liebevoll an meiner Seite. Wir haben uns durch das OP-Team insgesamt sehr gut und einfühlsam begleitet gefühlt.
Vom Kaiserschnitt habe ich nicht wirklich viel gespürt, jedoch den Austausch der operierenden Ärztinnen mit angehört, der mich glücklicherweise zuversichtlich gestimmt hat und mir das Gefühl gab, dass schon alles „gut“ werden wird..

Um 22.38 Uhr war ich einfach nur überglücklich „mein kleines Mädchen zu erblicken“ und sie endlich bei uns willkommen zu heißen – Antonia war endlich da! Sie durfte nach ihrer ersten Untersuchung direkt auf Papas Brust.. Ein Segen.
Am Ende lagen wir drei als kleine neue Familie gerührt und mit unbeschreiblichen Glücksgefühlen kuschelnd mit unserer Tochter auf dem Bett im Aufwach-Raum und konnten es kaum fassen, UNSERE kleine  Antonia plötzlich leibhaftig in den Armen halten, anschauen, streicheln und küssen zu dürfen. Pure Liebe und Dankbarkeit❤️.

Tina mit Kaiserschnittnarbe und Kind

Sabine, 42 Jahre, Thüringen

Meine erste Tochter habe ich nach 24 Stunden Wehen durch einen Notkaiserschnitt geboren. Der Professor, der die Geburt begleitet hat, ist durch seine niedrige Kaiserschnittrate bekannt. Ich habe stundenlang Wehen in den verschiedensten Positionen veratmet in der Hoffnung, dass meine Tochter in eine richtige Position rutscht, als Unterstützung bekam ich eine PDA und einen Wehenhemmer um meine Tochter in die richtige Position rutschen zu lassen. Nach vielen Stunden in denen der Muttermund nicht geöffnet war, wurde später die Fruchtblase geöffnet, der Muttermund war endlich offen.

Mit jeder Presswehe kam der Kopf meiner Tochter unterhalb meines Bauchnabels heraus, immer wieder wurde der Kopf durch die Hebammen zurückgedrückt um meine Tochter in die richtige Position zu bringen. Die Herztöne wurden schlechter und meine Tochter kam durch den Notkaiserschnitt auf die Welt, ohne diese Operation würden weder meine Tochter noch ich heute leben.

Diese Geburt hat mich traumatisiert und ich wollte einige Jahre nicht mehr schwanger werden aus Angst vor einer weiteren Geburt. Meine zweite Tochter gebar ich durch einen Wunschkaiserschnitt.

Flora, 26 Jahre, Baden-Württemberg

Ich hatte effektiv drei Stunden Wehenarbeit bis zu den Presswehen.
Mir wurde mitgeteilt, dass Fredericks Herztöne schlechter wurden und er einen Sauerstoffmangel hat. Anschließend kamen verschiedene Ärzte rein, die versuchten Frederick mit der Saugglocke herauszuholen. Auch das wollte ich laut Geburtsplan nicht, aber durch die ernste Lage kam es dazu.
Fredericks Kopf war schon fast draußen, aber trotz zweimaligem Versuch mit der Saugglocke kam er nicht endgültig raus.

 cesarean awareness month frankfurt am main

Anschließend ging alles ganz schnell, die Ärzte kamen rein und sagten, dass sie einen Notkaiserschnitt machen wollen, andernfalls können sie nicht verantworten was dann passiert. Ich war komplett überwältigt, sie hatten Unterlagen dabei, dass sie aus der Haftung treten falls ich den Notkaiserschnitt ablehne.
Ich nahm den Notkaiserschnitt an und kam sofort in den OP. Ich konnte mich nicht von Andreas verabschieden und wurde in meinem Lieblingskleid operiert, es ging um jede Sekunde.

Frederick wurde um 16:23 Uhr geboren, gegen 18 Uhr kam ich dann zu ihm. Andreas hat die ersten Stunden mit seinem Sohn verbracht. In meinem Geburtsplan stand, dass ich keinen Beruhigungssauger und keine Fertignahrung möchte, der erste Schluck sollte von meiner Brust sein.
Dieser Wunsch wurde respektvoll behandelt. Ein Notkaiserschnitt ist unter voller Narkose, um wach zu werden bekommt man eine Spritze.
In dem Moment, in dem ich wieder wach wurde, schrie Frederick. Das war für mich sein erster Schrei und sehr wertvoll.

Kim, 32 Jahre, Frankfurt am Main

Der Kaiserschnitt – oder besser gesagt die Bauchgeburt meiner Tochter Kiara („Kirush“) – war eine sehr schöne Geburtserfahrung für mich.
Das lag vor allen Dingen daran, dass ich mir diese Geburt zu meiner Geburt gestaltet habe. Ich habe jeden Teil dieser Geburt für Kirush und mich im Kopf „umgedacht“  und „umgefühlt“. Da es ein geplanter Kaiserschnitt war, hatte ich im Voraus genug Zeit, um mich mit Hypnobirthing und Visualisierungstechniken auf die OP vorzubereiten.
Ganz wichtig war mir ein „Kaiserschnitt-Soundtrack“ und tatsächlich wurde meine Tochter zu einem meiner Lieblingslieder – „She is love“ von Oasis – geboren. Es war ein wahnsinnig bewegender Moment.

Grund für den geplanten Kaiserschnitt war, dass Kirush seit der 20.SSW in Fußendlage „saß“ und all meine Versuche, sie zu drehen, beispielsweise mit einem klingelnden Feenglöckchen auf der Höhe des Schambeins oder der indischen Brücke, fehl schlugen. Ich spürte zwar, dass sie sich bis zu einem bestimmten Punkt bewegte, aber die endgültige Drehung kam nie. Ich war mir sicher, dass sie einen sehr guten Grund hatte, sich nicht über diesen Punkt hinaus zu bewegen und deswegen kam auch eine Äußere Wendung für mich nicht in Frage.

Ich suchte in der Frankfurter Uniklinik den „Guru“ der vaginalen Geburt bei Beckenendlage auf. Dort wurde mein Becken im MRT vermessen mit dem Ergebnis, dass mein Becken laut Richtlinien mit einer Breite von 11,5 cm „zu schmal“ für eine vaginale Spontangeburt war. Ich bekam das Angebot auf die Wehen zu warten und dann Kiara per Bauchgeburt zu gebären. Ich lehnte ab und suchte mir ein kleineres Krankenhaus. Nach einer Diskussion mit den Klinikangestellten, hatte ich mir das Geburtsdatum meiner Tochter ausgesucht, so dass mein Partner rechtzeitig anreisen konnte. Rückblickend habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, ob ich Kiara nicht mehr Zeit hätte geben sollen.
Letztendlich überwog für mich allerdings die „Ganzheitlichkeit“ der Geburt – die Geburt als Familie zu erfahren. 

Den Abend vor der Geburt verbrachte ich allein, genoss meine „Henkersmahlzeit“, bis mein Mann später aus den USA eintrudelte.
Es wurde die israelische Misgav-Ladach-Methode („sanfter Kaiserschnitt“) angewandt, bei der ein kleiner Bauchschnitt durch Reißen und Dehnen geöffnet wird. Ich wusste, dass es sehr Ruckeln würde und empfing jede Bewegung mit Freude, weil ich sie als wesentlichen Teil meiner Geburt begriff. Das Ruckeln war „der Ersatz“ für die Wehen, die ich bei dieser Geburt nicht erleben konnte. 

Ich habe meine Bauchgeburt als ganzheitlich und selbstbestimmt erlebt. Trotzdem ist mir vor die Wochenbettzeit als sehr schmerzhaft und anstrengend im Gedächtnis geblieben. Vor allem die Schmerzen an meiner Narbe waren enorm. Die Klinik zwang mich wenige Stunden nach der Geburt schon aufzustehen, obwohl ich noch kein Gefühl in den Beinen hatte. Heute wird dies zum Glück nicht mehr so praktiziert. 

Ich danke allen Frauen, die mir ihre intimen Geschichten und Stellen gezeigt haben, von Herzen. Ihr seid stark.

Comments
Add Your Comment